Corona (COVID-19): Zahlenspiele und Statistik

Die ganzen veröffentlichten Zahlen zur Corona-Pandemie sind mit großer Vorsicht zu genießen.

Die gängigen Tabellen listen für die betroffenen Länder oder Regionen folgende Werte auf:
1 – Anzahl aller Infizierten. Und zwar inklusive aller, die wieder gesund sind, die bereits verstorben sind, oder die aktuell noch krank sind!
2 – Anzahl der Personen, die bereits wieder als gesund gelten.
3 – Anzahl der Personen, die als Corona-Tote gezählt werden.

Schon bei diesen Zahlen muss man berücksichtigen, wie diese ermittelt und erfasst werden:

zu 1 (Anzahl der Infizierten):
Generell muss man natürlich davon ausgehen, dass hier eine hohe Dunkelziffer besteht. Real dürften die Infektionszahlen vor allem zu Beginn der Pandemie deutlich höher liegen, als sie in den Statistiken geführt werden.
Es gibt viele Erkrankte, die nur geringe Symptome aufweisen und sich selbst gar nicht unter Corona-Verdacht sehen.
Weiterhin gibt es sehr viele, die aus Kapazitätsgründen nicht getestet werden können. In Deutschland konnten vor kurzem beispielsweise 160.000 Tests pro Woche durchgeführt werden. Dadurch limitiert sich die Zunahme der Infizierten auf maximal 22.857 pro Tag.
In anderen Ländern dürfte die Möglichkeit für flächendeckende Tests von Verdachtsfällen noch deutlich eingeschränkter sein.

zu 2 (Anzahl der wieder als gesund geltenden):
Alle nicht getesteten, die wieder gesund sind werden in den Statistiken gar nicht abgebildet. Wie werden Verdachtsfälle mit Symptomen, die in freiwilliger oder angeordneter häuslicher Quarantäne sind, nach zwei Wochen ohne weitere Symptome gezählt?

zu 3 (Anzahl der Corona-Toten):
Noch immer gibt es keine zuverlässige Zuordnung, wann bei einem Verstorbenen tatsächlich eine Corona-Infektion als Ursache beziehungsweise Grund des Ablebens gesehen werden muss.

Dann gibt es noch die Erfassungs- und Meldesysteme, die gewiss zu zusätzlichen Unschärfen führen:
Weltweit unterscheiden sich die Gesundheitssysteme und Melde-Infrastrukturen sicherlich sehr. Entsprechend ist nicht nur die Zuverlässigkeit der Zahlen, sondern auch die Geschwindigkeit, mit denen diese ermittelt werden von Land zu Land sehr unterschiedlich.

Allgemein gilt:
– Je größer die Zahlen sind, desto genauer dürften sie in der Regel sein.
– Die Zahlen einzelner Länder sind nicht eins zu eins vergleichbar.
– Generell muss man davon ausgehen, dass die Zahlen nur ein sehr ungenaues Bild darstellen.

Interpretation einzelner Zahlenbeispiele:

Auf Basis der mir heute vorliegenden Zahlen möchte ich ein paar Beispiele vergleichen:

Infektionen in den einzelnen Ländern:

Nahezu alle veröffentlichen Listen werden nach der Anzahl der Infektionen sortiert, die es in dem Land gab und gibt. Geheilte oder Verstorbene werden also nicht aus der Gesamtzahl abgezogen.

Damit ist China mit 81.454 Infektionen noch immer auf Platz eins. Zieht man hier aber die 72.817 Geheilten und die 3.274 Verstorbenen ab, dann gibt es in China derzeit nur noch 5.363 Infizierte. Damit Läge China nur noch an neunter Stelle der Länder mit den meisten aktuellen Corona-Infektionen.

Eine Liste der Länder mit den meisten aktuellen Corona-Infektionen sieht nach aktuellem Stand so aus:

Land: Infektionen: Geheilt: Verstorben: aktuell infiziert:
Italien 59.138 7.024 5.476 46.638
USA 35.175 0 471 34.704
Deutschland 24.873 266 94 24.513
Spanien 28.768 2.575 1.772 24.421
Frankreich 16.243 2.201 676 13.366
Iran 21.638 7.913 1.685 12.040
Schweiz 7.474 131 98 7.245
Südkorea 8.961 3.166 111 5.684
China 81.454 72.817 3.274 5.363
Großbritannien 5.745 137 282 5.326
Niederlande 4.217 3 180 4.034
Österreich 3.582 9 16 3.557

Aber selbst diese Tabelle ist nur mit Vorsicht zu betrachten. Besonders die Zahl der genesenen Corona-Patienten scheint in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich erfasst zu werden. Weiterhin scheint der Fortschritt im Verlauf der Epidemie (also auf das jeweilige Land bezogen) in den jeweiligen Ländern erheblichen Einfluss auf das Verhältnis zwischen genesenen und verstorbenen Patienten zu haben.

In China oder Südkorea, die sehr früh von der Corona-Epidemie betroffen waren bewegt sich das Verhältnis zwischen genesenen und verstorbenen Patienten um 96,5 % (genesen) und 3,5 % (verstorben). (Noch Infizierte sind hier nicht berücksichtigt)

Für Länder, die noch recht frisch mit der Epidemie zu kämpfen haben, oder die die Zahlen der genesenen Patienten nicht so umfassend erfassen sieht das ganz anders aus:
Italien: 56 % genesen / 44 % verstorben
Deutschland: 74 % genesen / 26 % verstorben
Spanien: 59 % genesen / 41 % verstorben
Frankreich: 77 % genesen / 23 % verstorben
Hier wird sich sicherlich noch einiges zu Gunsten der genesenen Patienten verschieben. Anzunehmen ist, dass eine Heilung generell erst zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt wird als ein Corona-bedingter Todesfall.

Die Zahlen der USA zu betrachten macht derzeit in diesem Zusammenhang kaum Sinn. Da hier noch keine geheilten Patienten gemeldet oder geführt werden ergäbe sich hier eine Todesrate von 100 %. Solche Statistik-Fälle machen aber deutlich, mit wie viel Vorsicht Zahlen und Statistiken zu betrachten sind!

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